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24.04.2018

2018/05 Vom richtigen Zeitpunkt...!

Vom richtigen Zeitpunkt… - heißt ein Buch, in dem es darum geht, bestimmte Tätigkeiten in der Mondphase zu erledigen, in der das beste Ergebnis erreicht werden kann. Hecken schneiden, Salat pflanzen und Haare schneiden. Ja, und in diesem Buch geht es auch darum Holz zum richtigen Zeitpunkt zu schlagen, damit es für den Bauherren perfekte Eigenschaften hat. Darum allerdings geht es in diesem Beitrag nicht. Vielmehr soll geklärt werden, ob es zur Vermarktung von Holz gute oder aber auch schlechte Phasen im Jahresverlauf gibt.

Gleich vorweg: Es gibt zwei Zeiträume in denen vor allem private Waldbesitzer kein Holz an den Markt bringen sollten – kurz vor den Sommerferien und zwischen Fastnacht und Pfingsten! Warum?

Holz das kurz vor den Sommerferien vermarktet werden muss geht häufig nicht mehr ins Werk und bleibt während der heißen Sommerwochen im Wald liegen. Während dieser Zeit verfärbt sich das frisch geschlagene Holz, da die Zucker vor allem im Stammmantel heftig mit dem Luftsauerstoff reagieren. Rote, blaue und schwarze Streifen durchziehen dann Bretter und Kanthölzer, Balken und Bohlen, für den Säger ist das eine erhebliche Qualitätseinbuße. Seine Kunden erwarten helle und unverfärbte Ware und ordentliche Qualität – wer würde im Baumarkt schon zum verfärbten Kantholz greifen, wenn daneben ein weißes steht?

Zwischen Fastnacht und Pfingsten ist die Situation noch schwieriger. Wenn im Winter im Landkreis Tuttlingen oft durchgehend Holz geschlagen und abgefahren werden kann, schneit vor allem im Schwarzwald eingeschlagenes Holz aus den Hochlagen oft ein. Das eingeschneite Holz taut dann mit der Schneeschmelze aus dem Winter. Ausgerechnet in derselben Zeit, wenn die Temperaturen milder werden beginnen auch die Borkenkäfer wieder zu schwärmen. Unter ihnen ist der gestreifte Nadelnutzholzbohrer – vom Förster abfällig Lineatus nach seinem lateinischen Namen benannt. Der legt seine Eier in einem Bohrgang ins Holz hinein, und auch die Larven, die aus den Eiern schlüpfen bohren weiter ins Holz. Und wären die ein bis zwei Millimeter dicken Gänge nicht genug ist der Winzling mit einem Pilz vergesellschaftet, der die Bohrgänge schwarz färbt, die Larven leben von dem, was der Pilz übrig lässt. Im Ergebnis haben die Bretter aus befallenen Hölzer also mehr oder weniger schwarze Löcher und Bohrgänge, das Schnittholz ist damit nicht mehr erste Wahl!

Die Sägewerke benötigen im Jahresverlauf eine gleichmäßige Belieferung, das schlägt sich auch in den Lieferquoten des Jahresvertrags nieder. Auch für eine gleichmäßig zuverlässige Andienung über das ganze Jahr verteilt zahlen die Firmen die ausgehandelten Top-Preise. Damit ist die Andienung in der Flugzeit des Lineatus gedeckelt. Hinzu kommt die begrenzte Fuhrkapazität, die sich auch in dieser Zeit nicht mehren lässt. Außerdem die Tatsache, dass bei weitem nicht mehr alle Waldbesitzer bereit sind chemischen Insektenschutz im Wald anzuwenden – deren Holz wird prioritär abgefahren.

Natürlich kann man gegen den Schädling etwas tun – den wertvollen Rohstoff der 80 und mehr Jahre gewachsen ist konservieren und vor dem Verderben bewahren: Das Holz chemisch schützen, das Holz in Nasslager bringen oder außerhalb Wald auf Trockenpolter stapeln. Alle Maßnahmen kosten aber Geld und mindern den Reinerlös von Waldbesitzer und Säger. Nur ein kleiner Teil des ohnehin vielen Holzes ausgangs Winter kann ohne Schutz ins Werk kommen. Am einfachsten lassen sich eine stockende Holzabfuhr, ein stockender Geldfluss und teure Schutzmaßnahmen also vermeiden, wenn in dieser Zeitspanne nur sehr kontrolliert Holz in die Vermarktung gebracht wird.

Holz ist verderbliche Ware, das gilt umso mehr, je höher die Temperaturen sind. Ein entscheidender Faktor für eine gute Wertschöpfung ist deshalb der richtige Zeitpunkt und eine kurze Zeitspanne bei der Holzvermarktung – falsch gewählt kann das eine zügige Holzvermarktung nahezu unmöglich machen.

Für den Privatwald der in der Regel nicht mehr als einen LKW Holz pro Saison verkaufen möchte gilt deshalb die einfache Formel:

Mit dem Holzerlös sollte der Waldbesitzer Weihnachtsgeschenke kaufen können, Holzerlöse für Ostergeschenke einzuplanen kann schief gehen!

Oder andersherum:

Lieber bereits mit den heiligen Schutzengeln (2.Oktober – im Wald doppelt wichtig!) mit dem Einschlag beginnen, nach dem Heiligen Blasius (3.Februar) sollte kein Privatwald-Holz mehr auf den Markt geworfen werden!

Autor/in: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen