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20.05.2019

2019/08 Elf Harvester im Schneebruch

Mittlerweile arbeiten 11 (!) Harvester in der Schneebruchregion des Landkreises Tuttlingen - und produzieren am Tag fast 1.000 fm (!) Rundholz!

Das sind enorme Mengen, sie alle müssen logistisch abgearbeitet werden, das Holz muss aus dem Wald abfliessen können. Die größte Herausforderung für die Förster waren die Besitzverhältnisse im Schneebruchkatastrophengebiet. Über 75% der Fläche ist in privater Hand, nur ein knappes Viertel ist in öffentlicher Hand. In den Wäldern der Gemeinden hat deshalb die Aufarbeitungwelle begonnen, dort waren Waldwege, Rückegassen und Lagerflächen vorhanden. Und ganz wichtig: Die Maschinen hatten grünes Licht!

Im Privatwald war das anders: Zuerst musste das Kreisforstamt sich das "Grüne Licht" von den Waldbesitzern holen, um dann die Feinerschließung ergänzen zu können, die Bestände anzuweisen und schlußendlich auch die Harvester in die Schadblöcke zu lenken. Vor allem die unbefriedigende Erschließung mit Waldwegen und Lagerplätzen machte dabei viel Kopfzerbrechen.

Lagerplätze im Wald gibt es aktuell praktisch nur im öffentlichen Wald. Im Privatwald liegt es an den Eigentümern, einen Teil ihrer forstlichen Betriebsfläche für die Lagerung vorzuhalten. Bei den Gemeinden eine Selbstverständlichkeit, wer erntet muss auch lagern können - im Privatwald eine Seltenheit. Ausweg Lagerung außerhalb Wald? Nur in wenigen Bereichen ist das auf dem Heuberg überhaupt möglich, viele Wiesen sind mit naturschutzrechtlichen Restrikitionen belegt, die eine Lagerung unmöglich machen - selbst in dieser prekären Situation. Trotzdem konnten Lagerplätze gefunden und ausgewiesen werden. Eine "wilde" Lagerung verbietet sich selbstredend, solche Lose werden von den Förstern nicht für den Holzverkauf aufgenommen!

Ein anderes Thema ist der Abfluß der Hölzer: Die Holzindustrie kann die aufgearbeiteten Sortimente nicht komplett und laufend aufnehmen. Deshalb muss ein Teil des Papierholzes "gepuffert" werden. Dazu werden riesige Polter angelegt, die im Laufe der zweiten Jahreshälfte abgebaut werden. Eine andere Möglichkeit, die Qualität der wertvolleren Standardlängen über die Zeit zu retten, ist eine Polterschutzspritzung. Sie ist und bleibt zwar die ultima ratio, wird aber nicht immer und überall zu vermeiden sein.

Dort wo Waldwege ganz fehlen oder die Waldwege nicht über den standardmäßigen Ausbauzustand verfügen sind logistische Zwischenlösungen notwendig. An dieser Stelle rächt sich die "Sparsamkeit" beim Waldegebau und -ausbau, der zusätzliche Zwischentransport ist kostenintensiv und wird sich auf die Erlössituation der Waldbesitzer negativ auswirken.

Und es gibt natürlich auch die fleissigen Waldbesitzer, die ihre Schäden selbst aufarbeiten: An alle unfreiwilligen Wochenend-und-Feierabend-Waldarbeiter  - und Waldarbeiterinnen - ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön für den Schulterschluß beim Wettlauf gegen den Käfer. Wir alle sind froh, dass es bislang keine schwereren Unfälle gegeben hat, alle sollten aber auf der Hut sein und weiterhin besonnen und vorsichtig aufarbeiten.

Für alle betroffenen Schadflächen, die bisher nicht zurückgemeldet haben oder trotz Rückmeldung noch nicht mit der Aufarbeitung begonnen haben, hat das Kreisforstamt seit dem 06.05.2019 die Möglichkeit, auch gegen den Willen der Waldeigentümer auf deren Flächen die Gefahren einer Borkenkäfervermehrung abzuwehren und den Schaden zu beseitigen. Die rechtliche Grundlage dafür ist die erlassene Allgemeinverfügung. Prioritär werden aktuell alle Flächen bearbeitet für die das Forstamt einen Auftrag hat, mit den fortschreitenden Wochen, werden aber immer mehr Flurstücke im Zuge der Ersatzvornahme mitbearbeitet werden müssen.

Autor/in: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen