Seiteninhalt
20.10.2020

2020/08 Holzmarkt im Herbst 2020

Für viele Waldbesitzenden ist die Lage im Wald prekär und die Situation um die Holzerlöse, die wirtschaftliches Handeln im Eigentum Wald erst möglich machen völlig unbefriedigend. Wie es zu dieser Situation gekommen ist beschreiben die fol-genden Abschnitte, der eilige Leser findet den Ausblick und die Markteinschätzung zu den einzelnen Sortimenten am Ende dieses Berichts.

Katastrophen diktieren die Waldwirtschaft

Die Situation am Holzmarkt 2020 erklärt sich nur im Rückblick auf die Vorjahre. Die Witterung der Jahre 2018 und 2019 brachte dem Wald in Mitteleuropa viele Extrem-wettereignisse: Beide Sommer waren extrem heiß und trocken, und Gewitterfronten fegten von der Schweiz bis nach Tschechien und Polen. Hitze und Trockenheit über lange Zeiträume schädigen die Blätter und die Wurzeln der Waldbäume. Die feinen Wurzeln stellen die Wasseraufnahme der Bäume sicher. Sind sie geschädigt steht dem Baum nicht genügend Wasser zur Verfügung, um sich gegen den Befall von Schadorganismen zu wehren. Stark geschwächte Bäume und Sommerwind-wurf waren für viele Schadinsekten idealer Brutraum, Viele Borkenkäferarten ver-mehrten sich schlagartig und befielen viele Bäume, große Waldflächen fielen den kleinen Insekten zum Opfer.

2018

Schadschwerpunkte waren 2018 vor allem Tschechien, dort hatte die Borkenkäfer-welle bereits ein Jahr zuvor begonnen, in Mitteldeutschland fielen erste nennens-werte Mengen an, ebenso in Österreich und Italien, in der Schweiz und in Süd-deutschland, vor allem im südlichen Schwarzwald. In Norditalien fällte ein verhee-render Gewittersturm in wenigen Stunden riesige Holzmassen. Zum Ende des Jah-res war der mitteleuropäische Holzmarkt von Holz aus zufälliger Nutzung ge-schwemmt, der Preis fiel auf einen ersten Tiefststand, der sich zum Jahresbeginn nur leicht erholte.

2019

Das Schadgeschehen verlagerte sich 2019 nach Mitteldeutschland, dort fielen quadratkilometerweise Fichtenwälder der Dürre und dem Insektenfraß zum Opfer, auch die Buche wird dort massiv in Mittleidenschaft gezogen. Ein ähnliches Ge-schehen breitet sich im Südschwarzwald aus: Die fichtengeprägten Bestände der tiefen Lagen im Landkreis Waldshut-Tiengen werden schneller gefressen, als die Aufarbeitung nachkommt, die Schadkarte weißt einen Fleck auf, der sich fast un-aufhaltsam noch Norden und Osten ausweitet. Im selben Jahr bricht ein Nass-schnee 100.000 fm junge Fichte auf dem Heuberg. Und wieder ist sehr viel Holz auf dem Markt, oft qualitätsgemindert, wieder stockt die Abfuhr und wieder rauschen die Preise in den Keller, noch weiter als im Vorjahr.

2020

Zu Beginn dieses Jahres konnten die Preise für frisches Nadelholz in den Ver-handlungen wieder auf ein akzeptables Niveau angehoben werden. Allerdings haben die beiden Winterstürme die Preisstruktur sofort wieder auf den Stand des Herbstes zurückgeführt. Im Hochschwarzwald und in der Baar mussten über den Sommer große Mengen Windwurfholz aufgearbeitet werden, ein beträchtlicher Teil wurde unter Wasser gelegt. Gleichzeitig dehnte sich der Käferhotspot Hotzenwald-Wutach weiter Richtung Baar und Hegau-Hochrhein aus, er liefert weiterhin un-überschaubare Mengen Käferholz und entwaldet ganze Bergrücken und Hänge. Mittlerweile ist die Welle auch im südwestlichen Teil des Landkreises Tuttlingen an-gekommen.

Zu Beginn der Covid19-Pandemie war die Holzindustrie für eine kurze Zeit verunsi-chert, die Verarbeitung von Rundholz wurde gedrosselt. In den weiteren Wochen aber nahm die Nachfrage nach praktisch allen Holzprodukten deutlich zu und der Verbrauch von Rundholz lief auf höchsten Touren: Der Export von Rundholz nach Fernost in Containern boomt, der Schnittholzabsatz ins Ausland ist durch den ge-ringen Rohstoffpreis höchst lukrativ, vor allem in die USA und nach Großbritannien, der Bausektor arbeitet ungebremst auf sehr hohem Niveau und nicht zuletzt ver-langt auch der Do-it-yourselve Bereich der Baumärkte nach enormen Holzmengen.

Das alles hat für den Holzmarkt sehr weitreichende Folgen: Das Überangebot an Nadelholz aller Qualitäten drückt die Preise für Rohholz an die Schmerzgrenze für die Waldbesitzer, für die Holzindustrie ist dagegen Rohstoffeinkauf zu extrem nied-rigen Preisen möglich, bei ungebremster Nachfrage ist der Durchsatz durch die Werke enorm hoch. Dies öffnet neue Märkte und führt zu Rekordumsätzen und -gewinnen. Deutlicher als im Jahr 2020 kann ein Käufermarkt nicht ausgeprägt sein! Das Überangebot führte aber auch dazu, dass die Käufer in unserer Gegend nur streng kontingentiert Holz übernommen haben, denn der Druck beim Holzfluss aus den Hauptschadgebieten war extrem hoch. Viele Hölzer rutschten so während der Liegezeit im Wald in eine schlechtere Qualitätsstufe und damit auf der Preisschiene noch einmal nach unten. Einzelne Sortimente waren während des Sommers un-verkäuflich.

Seit Ende der Sommerferien hat der Strom der Schadhölzer ab- und die Nachfrage nach Nadelholzsortimenten zugenommen. Auch die Preise tendieren seit Septem-ber leicht nach oben. Die meisten Sortimente fließen aus dem Wald, und so ist es möglich, die Verkaufsreste aus Frühjahr und Sommer abzubauen.

Nadelholz-Sortimente

Stammholz – lang

  • Die Mengen der Lieferverträge im 4. Quartal 2020 sind für die Aufnahme von Schadholz ausgelegt. Schadholzlose mit hohem C Holzanteil durch farbliche Einläufe und Käferbefall erlösen im Leitpreis 2b C 34 €/fm, B-Holzanteile er-höhen diesen Preis, D-Holanteile drücken ihn.
  • Weißes Holz aus aktueller Käferholzaufarbeitung kann zum Leitpreis 60 €/fm für Fi 2bB verkauft werden
  • Nasslagerholz wird zu 62-65 €/fm 2b B ausgelagert.
  • Für frisches Holz ist ein Leitpreis von 75 €/fm angestrebt, Verhandlungen mit einzelnen Käufern laufen. Für 2021 ist ein Leitpreis über 80 € für Fi 2b B an-gestrebt.

Stammholz – Standardlänge

  • Nachfrage besteht nach Standardlängen aus zufälliger Nutzung und nach frischem Holz.
  • Preislich liegen die Standardlängen im Moment leicht unter langem Stamm-holz, vor allem bei frischem oder weißem Holz ist das aus Waldbesitzersicht unbefriedigend.


Nebensortimente – Blockware, Kilben, Papierholz und K-Holz

  • Gute Blockware kann zu den bekannten Konditionen verkauft werden, die Vermarktung der Restlänge sollte zuvor geklärt sein.
  • Kilben (Güte D) waren während des Sommers nur schwer verkäuflich, mitt-lerweile werden auch sie wieder nachgefragt und die Preise bewegen sich leicht nach oben (22-25 €/fm Nadel 2b D).
  • Die Papierhersteller sind aus dem Sommer heraus sehr gut mit Rundholz versorgt, trotzdem fragen sie mittlerweile wieder nach frischem Holz.
  • Der Preis für Papierholz (NISNF) ist für das gesamte Jahr bei 28,50 €/rm festge-legt, wohin sich der Preis im kommenden Jahr bewegt ist noch nicht abzuse-hen.
  • K-Holz (NISK) war im Verlauf des Sommers unverkäuflich, bei einzelnen Kunden ist die komplette Jahresmenge bereits ausgeliefert. Der Anfall von K-Holz aus den zufälligen Nutzungen war sehr hoch. Zudem werden die Käu-fer von K-Holz mit Sägewerksrestholz beliefert, das fällt beim Rekordein-schnitt auch in rekordverdächtiger Menge an und verstopft damit den Abfluss von Waldholz. Der Privatwald soll in diesem Sortiment die Eigenverwertung als Brennholz prüfen.

Aussicht

Die Aufarbeitung von Insektenhölzern hat weiterhin höchste Priorität für die Wald-besitzer im Kreis. Anders als im Frühjahr und im Sommer kann ein zeitnaher Ver-kauf im Herbst sichergestellt werden. Leicht angezogene Preise, vor allem für Höl-zer von frischerer Qualität ermuntern dazu, Rändelhiebe an Befallsnestern zu füh-ren und zweifelhafte Bäume in Absprache mit den zuständigen Revierleitern zu entnehmen. Frisches Holz aus planmäßiger Nutzung sollte im 4. Quartal nur in Ausnahmefällen eingeschlagen werden, erst im ersten Quartal stehen dafür wieder ausreichend Kontingente bei hoffentlich deutlich besseren Preise zur Verfügung.

Autor/in: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen