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28.10.2021

2021/17: Säge-Rundholzpreise unter Druck!

Das dritte Quartal markierte den Spitzenpreis für Sägerundholz der letzten 30 Jahre - nicht weniger, aber auch nicht mehr. In der Rückschau bleibt festzuhalten, dass ein Preisaufschwung beim Nadelrundholz durchsetzbar war, der noch vor Jahresfrist in die Kategorie unvorstellbar gewandert wäre. Dass Schnittholz und Holzprodukte einmal knapp werden, es Lieferzeit für die wichtigsten hölzernen Bauprodukte gibt und gigantische Preisaufschläge umsetzbar sind hat dazu beigetragen, endlich auch den Rundholzpreis auf Rekordniveau zu beflügeln.

Die große Unbekannte aber war das zu erwartende Käferholz im Spätsommer, dass der neue Preis Harvester und Motorsägen zu Höchstleistungen und einem deutlich erhöhten Angebot an Frischholz anspornen wird war vorherzusehen. Dass die Sommerpause und der Klopapiereffekt beim gehorteten Schnittholz zu einer Nachfrageflaute im Herbst führen lag ebenfalls auf der Hand, und nun befindet sich der Rundholzmarkt in einem bereits 1925 beschriebenem wirtschaftliche schwankendem System aus Angebot, Nachfrage und Preis: Dem Schweinezyklus (herzlichen Dank an den aufmerksamen Waldbesitzenden aus Neuhausen!)

Im Schwarzwald gibt es noch Vertragsmengen, deren Preis auf dem Hochniveau liegen, im östlichen Landesteil gibt es Frischholzverträge zwischen 100 und 110 Euro und aus Bayern wird von einem Süd-Nord Gefälle bis zu Preisen von 85 € den Festmeter berichtet, umso tiefer je näher die Waldbesitzungen an den großen Sägewerken liegen. Das Ringen um ein neues Preisniveau im Schwarzwald ist zäh, will  im Moment keine Seite zu große Zugeständnisse machen, da jede für sich  nur schwer abschätzen kann, wohin sich der Markt die nächsten Monate bewegt und welche Nachteile ein aktueller Abschluss mit sich bringt. De fakto werden langfristige Verträge stillgelegt, Preisbindung wird selten und Verkäufe zu Spotmarktpreisen oder auf Verträge mit sehr kurzen Laufzeiten sind die verbleibenden Marktwerkzeuge. 

Mittelfristig könnte uns die Konstanz am Rundholzmarkt früherer Jahre verloren gehen. Unübersehbar ist die Dominanz der Megasäger und deren Markteinfluss, die unter dem wagen Eindruck eines Angebotsüberhangs den Einkaufspreis nach unten diktieren. In diesem Abwärtssog müssen Mittelstandssäger und Kleinsägewerke einen Rückwärtskampf zwischen Vertragsbindung, Preisreduktion und Werksversorgung führen und sich täglich mit der neuen und ungewohnten Marktsituation arrangieren.

Und der Waldbesitz? Auch er wird sich an die neuen Markgepflogenheiten und an die Schwankungen des Schweinezyklusses am Rundholzmarkt gewöhnen müssen!

Dabei sind die Erwartungen an den Markt durchwegs positiv: Die Baukonjunktur ist bei deutlichem Wachstum robust und wird in den nächsten Monaten sehr viel Holz verbauen, auch die Verpacker rechnen nicht mit wesentlichen Einbrüchen und die Vorhersagen für den USA Markt sind realistisch positiv. Einen "Bauernbuckel" im Herbst kennt die Branche bislang nicht. Der Rekord-Holzpreis hat schnell mehr Frischholz mobilisiert als dass die Holzindustrie aufnehmen will, die Lager im Holzhandel sind noch mit gehamstertem Holz aus dem Sommer gefüllt und die Holzindustrie hat den jähen Preisverfall an den Amerikamärkten zu spät erkennen wollen. Alles zusammen führt dazu, dass auf der Sägerseite zu viel Schnittholz im System ist und bei den Rundholzlieferanten die bestehenden Verträge deutlich vor Jahresende ausgeliefert sein werden. Die Waldbesitzenden werden sich dann auf dem Sportmarkt oder in einer vertragsfreien Übergangphase wiederfinden.

Erst wenn also die aktuelle Überproduktion an Schnittholz abgebaut ist wird die Holzindustrie wieder "normal" produzieren, und die waldlagernden Vorräte abarbeiten - und dann wird wieder Rundholznachfrage signalisiert und ernsthaft über marktkonforme Preise diskutiert werden können.  

Autor/in: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen