Seiteninhalt
25.07.2022

2022/10: Befall durch Borkenkäfer nimmt Fahrt auf

Das anhaltend trockene Sommerwetter wird zur Gefahr für unseren Wald. Die Waldbrandgefahr bleibt hoch, aber auch die Gefahr durch Borkenkäfer wächst durch die hochsommerlichen Temperaturen und den wenigen Niederschlag. Bis jetzt waren landesweit die Befallszahlen rückläufig, das könnte sich aber in den nächsten Wochen ändern.

Bereits seit Mai sind die Temperaturen ungewöhnlich hoch. Dadurch konnten sich die Bruten der Borkenkäfer schnell entwickeln. Die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) befürchtet deshalb, dass sich in tieferen und mittleren Lagen des Landes nicht nur zwei, sondern drei Generationen des „Buchdruckers“ entwickeln können. Dies gelingt umso besser, je weniger Niederschlag fällt. Die Bäume kommen durch die Trockenheit unter Stress und sind noch anfälliger für die Rindenbrüter.

Die Waldbesitzenden im Kreis müssen in den kommenden Wochen ihre Wälder intensiv auf Befall kontrollieren, Schadbäume schnell einschlagen und an den Waldweg rücken. Die FVA empfiehlt den Waldbesitzenden mindestens im Abstand von zwei Wochen Kontrollen durchzuführen, besonders an alten Befallsnestern und in benachbarten Beständen.

Abfallende Rinde knapp unterhalb der Krone ist das Alarmzeichen, dann ist der Buchdrucker daran, den Brutbaum zu verlassen um neue Brutbäume zu suchen. In früheren Stadien ist Bohrmehl in den Rindenschuppen des Stammfusses zu erkennen, außerdem Harztropfen in den Einbohrbereichen oder Spechtabschläge, wo die Spechte Jagd auf die sich einbohrenden Käfer gemacht haben.

In der Urlaubszeit ist eine Aufarbeitung durch Forstunternehmer oft schwierig, auch die Holzaufnahme und die weiteren notwendigen Schritte zur Entseuchung können sich verzögern. Da der Holzabsatz in die Sägewerke momentan stockt ist ein schneller Abfluss der Schadhölzer aus dem Wald nicht möglich, alternativen für die Entseuchung müssen deshalb geprüft werden.

Weitere Infos: 

Aushaltung und Sortierung

Die Sortimente die sich durch Borkenkäferbefall an Nadelhölzer ergeben werden folgendermaßen getrennt: 

  • stehend / überständiges rindennaktes Schadholz:
    Überwiegend Güte D, silberner Stammmantel, Holz (stark) verfärbt, Längsrisse, Löcher durch Holzbrüter > 2 mm (Wespe/Bock)
    Nadel CD:
    • In langer Form ab 15 fm Los und Poltergröße, 10-19 m zzgl. Zumaß, Zopf 18 cm m.R,, Mindest-Mittendurchmesser 21 cm m.R. (=L2a)
    • darunter Kilben, 4 oder 5 m zzgl. Zumaß, Zopf 18 cm m.R.
       
  • frisch befallenes Schadholz:
    Überwiegend Güte C, starke Stammverfärbung und farbliche Beeinträchtigung des Stammmantels durch Brutbilder vor allem im oberen Bereich des Stammes
    Nadel CK;
    • Überwiegend in langer Form aushalten, 10-19 m zzgl. Zumaß, Zopf 18 cm m.R.
    • Kleinmengen unter 15 fm zusammenlagern mit Holz anderer Waldbesitzern oder auf zentrale Lagerplätze bringen

  • Rändelholz in frischer Qualität
    Überwiegend Güte B, (weitgehend) ohne Brutbilder und ohne farbliche Beeinträchtigung
    • Nadelfrischholz, 10-19 m zzgl. Zumaß, Zopf 16 cm m.R.
    • Kleinmengen unter 15 fm zusammenlagern mit Holz anderer Waldbesitzern oder auf zentrale Lagerplätze bringen

Weitere Infos: 

Bitte beachten:

  • Die Qualitäten müssen getrennt von einander gelagert werden, damit sie in separate Lose aufgenommen werden können.
  • Eine Aushaltung als Kurzholz ist nur bei Mengen von mehr als einer LKW Ladung (mindestens 28 fm) und mit Rücksprache mit den Revierleitenden möglich!
  • Die Qualität der Schadhölzer kann sich zwischen Einschlag und Verkauf auf dem Polter verschlechtern!  
  • Als Entseuchungsmaßnahmen kommen in Frage:
    • Lagerung außerhalb Wald (mit mindestens 300 m Abstand zum nächsten Nadelholzbestand)
    • (Hand-) Entrindung oder maschinelle Entrindung ab 100 fm je Entrindungsort (Vorsicht: Planerische Vorarbeit und dünnörtiges Rücken notwendig!), Nur wirksam wenn die Larven/Puppen noch weiß sind, verpuppte Käfer die schon braun sind fliegen aus den Rindenresten aus! 
    • Vorausflugspritzung: Chemische Behandlung befallener Polter (nur nach Prüfung und nur vom sachkundigen Fachmann!)
    • Ein Verbrennen von befallenem Material verbietet sich, weil aktuell das Risiko von Waldbränden immens hoch ist!


Hintergrund:

Der „Große Achtzähnige Borkenkäfer“, der unter dem Namen Buchdrucker bekannt ist, hat es besonders auf die Fichte abgesehen. Sobald die Temperaturen im Frühling und beginnendem Sommer steigen, verlassen die ersten Insekten ihre Winterunterkunft in Stämmen oder Stöcken von Nadelbäumen und fliegen aus. Seinen Namen verdankt er übrigens seinem Brutbild, welches einer aufgeschlagenen Buchseite ähnelt.


Bei ihrer Suche nach Nahrung und idealen Brutbedingungen verlassen sich die Insekten hauptsächlich auf ihren Geruchssinn und lassen sich von Duftstoffen zum entsprechenden Baum navigieren. Nach der Paarung und Eiablage fressen sich sowohl die ausgewachsenen Käfer als auch ihre Larven in verzweigten Gängen unter der Rinde vorwärts. Dabei durchtrennen sie die für den Baum lebenswichtige Wasserversorgung - der Baum läuft Gefahr zu verdursten.

Durch ein regelmäßiges “Monitoring” sollen befallene Fichten schnell erkannt und gefällt werden. Nach dem Fällen müssen die Stämme schnellstmöglich aus dem Wald abgefahren werden, um die Brutmöglichkeiten zu reduzieren. Werden Bäume nicht entdeckt oder zu spät entnommen, kann sich der kleine Käfer rasant ausbreiten und ganze Fichtenbestände zum Absterben bringen.

(Quelle Hintergrund: instagramm @ForstBW)


Autor/in: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen