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05.10.2020

2020/07 Saatguternte im Landkreis Tuttlingen

Im August und September dieses Jahres wurden bei uns im Landkreis in mehreren Gemeindewäldern und auch im Staatswald Zapfen der Weißtanne geerntet. Aus den Samen der Zapfen wird Saatgut gewonnen. Vor allem auf Flächen, auf denen keine natürliche Waldverjüngung nachkommt, oder in Bereichen, in denen man für die Zukunft zusätzliche Baumarten einbringen möchte, sind die Waldbesitzer auf hochwertiges Pflanzgut angewiesen. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist die Nachfrage nach Pflanzgut besonders hoch.

Um die Qualität des Pflanzguts zu gewährleisten, darf nur in amtlich zugelassenen Waldbeständen Saatgut geerntet werden. Bei der Zulassung eines Bestandes werden verschiedene Merkmale überprüft. Dabei wird vor allem auf die Qualität und Vitalität der einzelnen Bäume und die genetische Vielfalt des Bestandes geachtet. Aber auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber verschiedenen Störfaktoren, wie Trockenheit oder Käferbefall, spielen dabei eine Rolle.

Um an die Zapfen der Weißtannen heranzukommen, werden die einzelnen Bäume bis in die Baumspitze beklettert. Die Kletterer sind gut geschult und mit Seiltechnik gesichert. Oben in der Baumkrone werden Säcke mit den Zapfen gefüllt, auf den Boden fallen gelassen und später aufgesammelt. Die Zapfenernte dauert pro Bestand meistens mehrere Tage. Die Zapfen werden jeden Abend gewogen und in einer Hütte gelagert.


Der Auftraggeber, meistens eine Baumschule, holt die Zapfen nach der Ernte ab. Die Ernte und die Übergabe des Saatguts an die Baumschule werden von dem zuständigen Revierleiter und der unteren Forstbehörde streng überwacht um sicherzustellen, dass das Saatgut nur aus dem zugelassenen Bestand kommt. Außerdem gibt es pro Bestand eine Mindestanzahl von Bäumen, die beerntet werden müssen, um die genetische Vielfalt des Saatguts gewährleisten zu können.

Zusätzlich gibt es den Zertifizierungsring für überprüfbare forstliche Herkunft Süddeutschland e.V. (ZüF), der bei uns in Süddeutschland neben den Vorschriften des Forstvermehrungsgutgesetzes die Herkunftssicherheit des Saatguts zusätzlich verbessert.
Angekommen in der Baumschule oder einer Samenklenge wird das Saatgut ausgeklengt. Das bedeutet, das durch Wärme oder mechanische Hilfsmittel die Samen aus ihren Hüllen gelöst werden. Je nach Baumart des Saatguts sind andere Verarbeitungstechniken notwendig, bevor die Samen in der Baumschule ausgesät werden können.

Seit Mitte September findet in zwei Gemeindewäldern unseres Landkreises die Bucheckernernte statt. Die Buchen werden in diesem Falle nicht beklettert, wie die Tannen, sondern es wurden Netze auf dem Waldboden ausgelegt. Nach ein paar Wochen werden diese zusammen mit den heruntergefallenen Bucheckern eingesammelt. Auch die Bucheckern werden anschließend ausgeklengt und in einer Baumschule ausgesät um zu neuen Buchen heranzuwachsen.

Autor/in: S. Neitzel
Quelle: KFA Tuttlingen