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Rundholzmarkt 4.0

Kirchgang – Wirtshaus – Handschlag! Holzverkauf in den Erzählungen unserer altvorderen Förster mutet zünftig und bodenständig an. Sowohl der örtliche Säger als auch der Förster oder der Forstmeister trafen sich zuerst in der Kirche, dann am Stammtisch und der Abschluss des Kaufs verzichtete oft genug auf bürokratisches Beiwerk. Holzliste und Kaufvertrag waren handschriftlich gefertigt, erst allmählich setzte sich die Schreibmaschine durch. Computer übernahmen danach das Rechnen, die Holzdaten wurden über Lochkarten erfasst und lieferten weiterbearbeitbare Verkaufsgrundlagen. Heute erfolgt die Holzaufnahme mit einem an den rauen Außendienst angepassten mobilen Eingabegerät. Die im Wald gesammelten Daten über das Holz und dessen Lagerort – freilich GPS-basiert – landen in einem großen Datenbankensystem, von wo aus sie in vielfältiger Weise weiterbearbeitet werden. Damit ist auch die Holzwirtschaft angekommen, wo die Industrie im Allgemeinen schon lange ist: Rechnerbasierte Erfassung, Weiterbearbeitung der Produktionsdaten und Kontrolle über die Produkte – englisch Computer-integrated manufactering oder kurz „Industrie 3.0“!


Dabei sind im Wald sowohl Produktionsort und Produktionsmittel fest an Grund und Boden gebunden. Der Waldbesitz liefert neben der Landwirtschaft die regionalste Wertschöpfung die denkbar ist. Dass dabei vielfältige Funktionen parallel zur Holzproduktion erzeugt werden scheint mittlerweile eine Selbstverständlichkeit: Erholung, Bodenschutz oder Wasserschutz liefert Wald dort wo er steht gratis neben dem ökologischen und nachwachsenden Rohstoff Holz soeben mal mit. Eingeschlagenes Holz allerdings fließt in mindestens regionale Märkte und spätestens die Produkte der Holzindustrie landen auf globalen Märkten. Selbst kleine Sägewerke beliefern internationale Kundschaft und unterliegen so den Schwankungen von Angebot, Nachfrage und vor allem dem Preis eines internationalen Marktes.


Massenware oder Nischenprodukte – eine entscheidende Frage für jeden Sägewerker! Massenware ist Schnittholz das in großer Menge in standardisierten Formaten schnell erzeugt werden kann. Die Einschnitttechnologie ist hier schon seit langem weg von der „Gatter-Säge“. Spanend wird - wie beim Fräsen - das Holz vom Stamm abgetragen und im Nachschnitt mit Doppelwellenkreissägen auf Format gebracht. Dabei geht der Stamm mit bis zu 3 m pro Sekunde durch die Maschinen, der Fachmann spricht vom Vorschub! Solche Werke schneiden leicht 100.000 fm je Jahr und mehr, die größten und marktbeherrschenden über 1 Million! Traditionelle Gattersäger müssen sich schon anstrengen, um 50.000 fm durch ihre Säge zu bekommen. Ihre Produkte zielen daher nicht auf den Massenmarkt, so billig wie die „Spaner“ können sie solches Schnittholz gar nicht produzieren. Sie liefern „on demand“, also auf Bestellung ihrer Abnehmer. Oft sind das Spezialformate oder Produkte in die Nischen des Schnittholzmarktes, oft ist dies auch der Bereich Verpackungsholz. Angefangen von Euro-Paletten über individuelle Paletten bis hin zu Verbauungen in Überseecontainern finden vor allem schlechtere Nadelstammholzqualitäten hier reißenden Absatz! Das traditionelle Geschäft mit Listenbauholz gerät immer weiter in Vergessenheit, heute ziehen Bauherren Konstruktionsvollholz oder Leimbinder für ihr „Häusle“ oder ihren Dachstuhl vor, und das Rohmaterial dazu kommt von den „Millionensägern“.

 
Die haben es im Übrigen vor gemacht: Das Stämme werden im Werk bevor sie gesägt werden elektronisch vermessen. Das hat mehrere Gründe: Die Hölzer, die vollmechanisiert vom Harvester eingeschlagen werden, können im Wald gar nicht kostengünstig vermessen werden, die Meßanlage der Werke macht das deutlich billiger und genauer als die Waldarbeit! Die Waldbesitzer und Holzverkäufer akzeptieren diese Vermessung nur, wenn die Anlage geeicht und zertifiziert ist, sie brauchen durch die werkseitige Vermessung dann keine Nachteile befürchten. Die erhobenen Holzdaten dienen im Werk aber nicht nur der Kontrolle des Waldmaßes und der Erhebung des Verkaufsmaßes und damit der Vergütung, sondern vor allem auch der Produktionssteuerung. Die gesammelten Daten führen zur Einteilung des Holzes: Der Computer sucht für jeden vermessenen Stamm den optimalen Einschnitt. Er orientiert sich immer an den aktuellen Aufträgen, also der Nachfrage nach Schnittholzformaten und optimiert dabei die Ausbeute. Mittlerweile haben auch so manche kleine Sägewerke werksseitigen Vermessungen, um ihren Einschnitt computerbasiert optimieren zu können. Auch sie können dann im Werksmaß einkaufen und freilich überprüfen sie damit auch das Waldmaß des Waldbesitzers.


Formate, Maße und Masse sind aber nicht alles. Holzprodukte müssen ihre Qualitäten auch unter Beweis stellen. Durchgängige Zertifizierungssysteme – vom Wald bis zum Holzprodukt – signalisieren dem Verbraucher, dass das gekaufte Produkt aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt und beim Anbau wie bei der Verarbeitung die Standards des Zertifikats eingehalten wurden. Im Landkreis Tuttlingen sind viele Waldbesitzer PEFC-zertifiziert, der Staatswald ist neben PEFC auch FSC-zertifiziert. Im Bereich der Statik muss das Holz Werten von DIN und ISO genügen und auch CE-Kennzeichnungen bestimmter Holzprodukte sind mittlerweile üblich und nachgefragt. Um diese Anforderungen beim Holz garantieren zu können benötigen Sägewerke für das entsprechende Produkt auch den richtigen Rohstoff – die Sorten und die Gütesortierung sind dafür der erste und wichtigste Fingerzeig!


Sorten geben die Antwort auf die Frage, welches Holz zu welchem Käufer passt: In Losen, den Verkaufseinheiten, werden nur Hölzer einer Sorte aufgenommen. Sie sind in Dimension und Güte einheitlich und so beschaffen dass sie auf einen Kunden oder eine Kundengruppe passen. Die Dimension des Rohholzes wird mit Bandmaß und geeichter Kluppe ermittelt. Bei der Güte ist es etwas schwieriger. Seit 2016 ist die RVR Grundlage der meisten Holzverkäufe. Was ist die RVR? In der Rahmenvereinbarung Rohholzhandel sind die Gütemerkmale und Gütestufen des Rohholzes nach Baumarten unterschieden definiert. Sie löste 2016 die HKS, das war die Handelsklassensortierung für Rohholz ab. „Holzmachern“ die nicht firm sind in Sachen Holzvermessung und Sortierung steht der örtlich zuständige Forstrevierleiter als Ansprechpartner zur Verfügung, und allen Waldbesitzern wird geraten, vor Hiebsbeginn Kontakt mit ihm aufzunehmen, oder sich auf diesen Seiten über die aktuelle Aushaltung und Sortierung von Rohholz zu informieren. Für Holz, das korrekt aufgearbeitet und vermessen ist und das nach der RVR gütesortiert wurde steht der Vermarktung nichts mehr im Wege.


In der Wirtschaft obliegt nun die Vermarktung der erzeugten Produkte dem Produzenten oder dem Eigentümer. Und beim Holz? Die Zahl der Abnehmer für Rohholz sind bei genauer Betrachtung überschaubar, doch wer kauft welches Holz zu welchem Preis? Sägewerke, mehr oder weniger regional, Papiererzeuger, meist national bis international und Händler stehen Gewehr bei Fuß. Natürlich kaufen die Abnehmer direkt beim Waldbesitz, vor allem dann, wenn der Waldbesitz groß genug ist, wie zum Beispiel das Land Baden-Württemberg. Wer am Rohholzmarkt Beachtung findet kann sein Hölzer selbst absetzen, und erhält dafür auch die gängigen Marktpreise. Kleine und Kleinst-Waldbesitzer tun sich dabei oft schwer. Für sie ist es meist deutlich lukrativer, sich bei der Vermarktung ihres Holzes anderen Waldbesitzern anzuschließen. Dies geschieht, in dem die Vermarktung in die Hände der Holzverkaufsstellen der Landratsämter legen, oder indem sich Waldbesitzer in Forstbetriebsgemeinschaften als Verkaufsbasis zusammenschließen. Mehr Marktmasse – mehr Marktgewicht. So lassen sich bessere Preise erzielen, ein ganzjähriger Holzabfluss gewährleisten und Kleinstmengen überhaupt vermarkten.


Die Holzverkaufsstellen der Landratsämter bedienen sich beim Holzverkauf der EDV. Ohne Technisierung wäre eine schlagkräftige Dienstleistung bei vertretbarer Personalausstattung auch in diesem Bereich nicht denkbar. Die EDV orientiert sich dabei an den Ansprüchen der Waldbesitzenden: Holzmassenbuchführung und Holzverkauf stehen im Vordergrund. Die EDV Systeme der Holzindustrie kennt ganz andere Anforderungen: Der Holzeinkauf übernimmt die Waren der Verkäufer, die werksseitige Vermessung ist ein Teil davon, gleichzeitig dient Sie aber der Produktion, dem Controlling und vor allem auch der Holzlogistik. Jeder Einkauf generiert Fuhraufträge und die Hölzer der Fuhraufträge müssen im elektronischen Wareneingangsbuch der Firmen dem Kauf wieder zugeordnet werden. Es besteht also in den Datenbanken der Holzindustrie ein sehr enges Zusammenspiel zwischen Kauf, Abfuhrfreigabe, Fuhraufträgen, Fuhrrapporten und –abrechnungen sowie Werkseingangsmaß oder eben dem Holz auf dem Rundholzplatz!


Gibt es eine Verbindung zwischen den EDV-Welten von Holzverkäufer und Holzindustrie? Ja, mit ELDAT wurde ein Schritt Richtung Holzverkauf 4.0 getan. Wer über ein ELDAT fähiges System verfügt, kann Daten mit dem Marktpartner auf digitalem Weg austauschen. Die Verkäuferseite kann Bereitstellungsanzeigen, Rechnungen und Abfuhrfreigaben versenden, die Käuferseite kann nach erfolgter Vermessung die Rohholzdaten zurücksenden. Durch die gemeinsame Schnittstelle ist gewährleistet, dass die richtigen Daten zu einander finden und der Rohholzhhandel noch etwas smarter abläuft. Dazu müssen sich aber alle Beteiligten an feste Regeln halten – die im Übrigen auch für Verkäufe ohne ELDAT gelten.

Viele gute Gründe sprechen also dafür, die Vermarktung von Holz in die Hände von Profis zu legen. Mindestens ebenso viele gute Gründe sprechen dafür sich als Waldbesitzer die Informationen zu vermarktbaren Sorten und deren Aushaltung bereits vor Hiebsbeginn vom Forstrevierleiter oder von der Holzverkaufsstelle des Landratsamtes Tuttlingen zu holen. Die Web-Seiten https://holzverkauf-landkreis-tuttlingen.de sollen helfen die für optimale Wertschöpfung notwendigen Informationen breit und 24 Stunden täglich bereitzuhalten – zur Not sogar mobil im Wald!

Autor: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen