Seiteninhalt

Holzlogistik im Wandel

Rundholz – vor allem im Bereich Nadelholz – ist gut nachgefragt, von den Sägewerken begehrt, von der Holzindustrie in größeren Mengen benötigt als nachwächst. Zumindest in Baden-Württemberg! Mehr nachwachsen lassen geht nur durch Neuaufforstungen und dauert bekanntlich eine ordentliche Zeit lang! Eine günstige Ausgangsposition für alle, die Holz verkaufen möchten – Gute Nachfrage für den knappen, wertvollen und ökologischen Rohstoff. Nicht ohne Grund ist Deutschland und Baden-Württemberg ein Hochpreisgebiet wenn europa- oder weltweit Rohholzpreise verglichen werden.

Die Preise für die Produkte der Holzindustrie? Sie sind vielfach den Schwankungen des internationalen und globalisierten Marktes und Währungsschwankungen unterworfen. Papier ist aus Brasilien billigerer zu beziehen als in Mitteleuropa zu produzieren, und auch beim Schnittholz kommt immer mehr Holz aus dem Osten. Glaubt man der Sägewerksbranche und betrachtet man die lange Reihe der Werksschließungen in Deutschland ist das Sägewerksgeschäft nur schwer auskömmlich und starken Schwankungen ausgesetzt. Margen und Gewinne fallen spärlich aus bis ganz weg. Auf jeden Fall leidet die Sägewerksindustrie in Baden-Württemberg nach eigenen Angaben an hohen Rohstoff- und Einkaufspreisen und geringen Schnittholzpreisen – bei zu weilen zähem Abfluss. Eine Schere die sich regelmäßig weiter auf und wieder zu bewegt.
Und zwischen drin steht die Rundholzlogistik. Sie muss den teuren Rohstoff aus dem Wald in die Werke transportieren. Wohlgemerkt sind das nur selten LKW-Rennfahrer auf Bundesautobahnen als viel mehr raue Off-Roader im Echtbetrieb: Waldwege in zweifelhaftem Zustand, steil, rutschig, eng. Im Winter ohne Schneeketten nicht zu befahren, bei jedem Wetter auf dem Kran zum Auf- und Abladen, manch ein Polter nur über viele Meter rückwärts zu erreichen – da braucht es noch echte Kerle, viele Trucker würden und wollen sich diese Arbeitsbedingungen nicht antun! Und dazu gesellt sich der Preisdruck, denn Holzlogistik muss billig sein, sonst verschärft sie die Probleme der Säger noch mehr…

Über die Zeit in der das Holzfuhrwerk mit Pferden und Ochsen betrieben wurde sind wir lange hinweg. Leistungsstarke LKW mit starken Kränen machen das Geschäft – und wollen bezahlt sein! Bis vor wenigen Jahren waren die „Holzkutscher“ deshalb auch wahre Vielfahrer. Lange vor der Dämmerung im Wald bereits unterwegs und erst zuhause, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwand machten sie einfach ein paar Fuhren mehr und fuhren mit schierer Menge ihr Unternehmen in die Gewinnzone – und hielten die Fuhrkosten für die Industrie in erträglichen Grenzen. Da durfte es auf dem LKW gerne auch ein bisschen mehr sein, die Tonnagen zwischen Wald und Werk waren ja nicht so genau zu messen.
Ein Holzlaster ist mittlerweile aber ein oft kontrolliertes Vehikel: Den Anfang machte Ladung und Gewicht. Mit mobilen Waagen konnte praktisch überall überprüft werden, ob der Zug das zulässige Gesamtgewicht nun überschritt oder nicht. Langsam aber sehr sicher und beharrlich wurde die Beladung der Holzfuhrwerke auf das gesetzlich zulässige Maß zurückgefahren, teils unter hohen Strafen für die Akteure – und als Teuerung für die Werke, denn auf einmal konnte pro Fuhre nur noch weniger Holz angeliefert werden, mehr Fuhren waren notwendig und der Festmeter Holz der im Werk ankam kostete deutlich mehr!

Auf die Tachografenscheibe folgte die digitale Erfassung der LKW-Daten. Jeder Fahrer benötigt heute einen persönlichen Chip, der neben der Geschwindigkeit auch die Lenk und Ruhezeiten sowie schlussendlich auch die Arbeitszeit praktisch sekundengenau dokumentiert. Versuche, einen Fahrer mit mehreren Chips auszustatten kostete Speditionen ein Vermögen an hohen Strafen, die Versuche seitens der Firmen fanden ein jähes Ende. Mit der minutengenauen Dokumentation ist es auch nicht mehr möglich einfach mehr Fahrten pro Tag zu machen und so die Arbeitszeit zu verlängern. Die gesetzlichen Vorgaben für Berufskraftfahren setzen dem mittlerweile ein gnadenloses Ende!

Befindet sich damit das Bindeglied Holzlogistik im Schwitzkasten? Es bleibt zumindest folgendes festzuhalten: Billige Holzlogistik geht nicht mehr! Denn wenn sich die Spediteure an die gesetzlichen Vorgaben halten, kostet die Logistik Geld, dem Preisdruck nach unten scheint damit ein Ende gesetzt. Nur billigere Fahrer aus dem Osten bieten noch Einsparpotential, da im Wald aber Ortskenntnis von Nöten ist, sind ortskundige Fahrer schnell hereingerechnet. Und Rationalisierung bietet nur der digitale Waldwegeatlas, damit ist so etwas Ähnliches wie Navigation im Wald möglich, denn alle Polter sind heute durch die Holzaufnahme mit GPS Daten versehen. Bisher hat die Holzindustrie die Kostensteigerungen in der Holzlogistik getragen, doch mittlerweile geben die Einkäufer Fuhrkosten auch an die Waldbesitzer weiter, vor allem dann, wenn die Abfuhr- und Kaufeinheiten klein sind!
Bitteschön: Große Lose – große Polter! Das ist der einfache Wunsch von Käufern und Fahrern. Dann ist Logistik einfach und rentabel. Der Umkehrschluss legt die Probleme offen: Kleine Lose – großes Problem! Fuhren bei denen viele Ladestellen angefahren werden müssen kosten auch viel: Jedes Mal muss der LKW an einem Polter abgestützt werden, der Kran wird entfaltet, aufgeladen, der Kran wird wieder gefaltet und die Stützen werden eingefahren, das Holz muss - mindestens sobald öffentliche Straßen befahren werden - neu verzurrt werden. Das Spiel verschärft sich im Winter, wenn wegen Schnee und Eis vom Fuhrmann Ketten aufgezogen werden müssen, noch schlimmer, wenn zwischen den Ladestellen Straße ist und die Ketten wieder runter müssen, um sie an der nächsten Waldwegeeinfahrt wieder aufzuziehen. Und noch einmal komplizierter wird es, wenn es konkrete Fuhraufträge für Holz, das im Werk vermessen wird gibt. Das alles ist für den Waldbesitzer nicht auf Anhieb durchschaubar. Bei genauer Betrachtung wird es aber klar, warum klein und Kleinstmengen mittlerweile mit Abschlägen belegt sind. Aber wie kann der Privatwald Kleinmengenregelungen entgehen?

Dafür gibt es drei Ansatzpunkte: Losgröße – Poltern – Bündeln! Möglichkeit eins: Die Waldbesitzer machen so viel Holz, dass sie über die Mindestlosgrößen hinauskommen. Vor allem beim Hauptsortiment (Stammholz oder Standardlängen) sollte das möglich und Ziel beim Einschlag sein. Bei vielen Firmen sind 10 fm die Grenze, wer mehr Holz in einem Los liefert erfährt in der Regel keine Abschläge. Bei den Nebensortimenten ist das schwieriger. Dort könnte die Möglichkeit zwei zielführend sein: Lose mit unterschiedlichen Sortimenten aber ähnlicher Verwendung werden zusammen gepoltert. So können die Polter aus Kilben und Gipfel oder auch Rothölzern (verkernte Baumarten: Kiefer, Lärche, Douglasie) direkt nebeneinander gelegt werden, da sie häufig vom selben Sägewerk gekauft werden. So kann der Fuhrmann drei Lose aufladen, ohne umzusetzen und ohne dazwischen Kran und Stützen auf- und abbauen zu müssen. Und auch Möglichkeit drei hilft: Oft machen in Privatwaldgebieten mehrere Waldbesitzer Holz. Gerade die Nebensortimente sollten dann an zentralen oder gemeinsamen Lagerplätzen gepoltert werden. Jeder Waldbesitzer polter sein Holz, aber das so nahe bei Hölzern anderer Waldbesitzer, dass die Beladung von einer Haltestelle aus möglich ist.

Das alles hilft, Kleinmengenregelungen zu entgehen oder sie zu minimieren. Was muss dabei beachtet werden? Bereits aufgenommenes Holz ist tabu! Zu oder auf Poltern, die vom Förster mit einer Nummer angeschrieben sind darf – zumindest ohne Rücksprache – kein weiteres Holz gelegt werden. Wenn Holz in Gemengelage liegt, muss es vom Waldbesitzer immer sauber gekennzeichnet sein. Im Zweifel empfiehlt sich eine kurze Rücksprache mit dem zuständigen Revierleiter, damit der Holzverkauf in der Folge reibungslos abläuft, denn auch die Zeitschiene ist mittlerweile wichtig.
Gerade bei den Standardlängen (Fixlängen, 5 m B/C) werden von einigen Käufern auch kleine Lose im Werksmaß eingekauft. Ein angedientes Los erzeugt beim Käufer ein Fuhrauftrag mit anschließender Vermessung, die Werksmaße laufen dann wieder zurück zur Holzverkaufsstelle. Die Lose werden innerhalb eines Fuhrauftrags so optimiert, daß der LKW optimal beladen werden kann. „10 Bengel mehr“ die hinterhergereicht von einem weiteren Waldbesitzer „dazu geworfen“ wurden können da nicht einfach vom Fuhrmann zugeladen werden, weil das Verkaufsmaß dann nicht sauber zur Holzliste und zum Fuhrauftrag zurückläuft, und weil sein LKW damit überladen wäre!

Waldbesitzer, die Holz einschlagen möchten können jederzeit beim für sie zuständigen Revierleiter nachfragen. Auch die Mitarbeiter der Holzverkaufsstelle stehen für Ihre Fragen zur Verfügung, auch auf diesen Internetseiten können Waldbesitzer Informationen zum Sortierung, Polterung und Holzverkauf erhalten! Und immer dran denken: Vor dem Einschlag informieren ist immer besser!

Autor: Holzverkaufsstelle Landkreis Tuttlingen