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Sonderseite: Borkenkäfer

Aktuell

Wichtigstes Ziel: Walderhaltung - neuer Stehendbefall verhindern!

Noch ist der Schneebruch auf dem Heuberg nicht ganz fertig aufgearbeitet, da steht mit der ersten Käferwelle in diesem Jahr die nächste Herausforderung für Waldeigentümer und Forstbehörden an. Während der Schneebruch nur die höheren und nördlichen Lagen des Landkreises betroffen hat, ist beim Borkenkäfer der gesamte landkreis betroffen, Je südlicher und niedriger die Lage, umso größer ist der Befallsdruck und umso rascher kommen die Anzeichen, höher gelegene Wälder werden später betroffen sein.

Die kühle und feuchte Witterung im Frühjahr hat den Wäldern ein wenig Zeit verschafft und zumindest ein Teil der Waldbäume konnte sich etwas regenerieren. Der Zustand der Bäume insgesamt ist nach dem Trockensommer 2018 aber weiterhin stark angespannt - Eine optimale Voraussetzung, dass sich die hohe Anzahl an Borkenkäfern noch einmal rasant vermehren kann.

Trocken-heiße Phasen begünstigen und beschleunigen die Entwicklung der Larven unter der Borke und ihr tödliches Werk wird demnächst sichtbar werden. Deshalb müssen Waldeigentümer ihre Wälder ab jetzt und bis in den Herbst hinein regelmäßig und  intensiv konttrollieren.

Der Holzmarkt ist schon seit mehr als einem Jahr stark angespannt, schlechtes Nadelrundholz kann nur schwer auf dem Markt platziert werden. Deshalb gibt es neben der Entseuchungsstrategie auch eine Strategie Rundholz zu vermeiden. Der Einschlag soll daher nur auf echte Käferbäume mit Larven oder Käfern beschränkt werden:

Welche Alarmzeichen gibt es und was ist zu tun?

Minderwertige und nicht mehr fängische Sortimente werden vermieden - oder sollen (aus dem Wald hinaus) ins häusliche Brennholz wandern:

  • Bäume mit abgefallener Borke und ausgeflogenem Käfer: „Silberrücken“ bleiben stehen (soweit verkehrssicherungstechnisch vertretbar)
  • Bäume mit kahler Krone und zu 1/3 abgefallener Borke bleiben stehen (Die darin befindlichen Restkäfer können nicht mehr entseucht werden!)
  • keine vorbeugende Rändelung in vitalen und nicht als Käferbäume erkennbaren Fichten oder Tannen vornehmen 

Der Aufarbeitungsschwerpunkt liegt bei:

  • klassischen Käferfichten (grüne Krone bei beginnender, abfallender Borke oder "Bohrmelhbäume") und
  • absterbenden Tannen (von oben her rötende Kronen und/oder beginnender, abfallender Borke)

Wichtig:

  • Die aufgearbeiteten Stämme müssen rasch gerückt und aus dem Wald verbracht werden, damit die fertigen Käfer nicht mehr ausfliegenund sich nicht mehr in Nachbarbäume einbohren können!
  • Gelingt dies nicht, müssen die Polter gespritzt werden.
  • Klein- und Kleinstmengen: Können weder vermarktet noch vernünftig gespritzt werden, deshalb wird eine zentrale/gemeinsame Polterung von Hölzern dringend emprohlen!

Bei Fragen wenden sich betroffene Waldeigentümer bitte an den zuständigen Revierleiter, das Kreisforstamt oder an die Holzverkaufsstelle.


Hintergrund

Wetter und Wetterereignisse

Die Sommermonate 2018 verliefen außergewöhnlich heiß und niederschlagsarm, vielfach wurden Vergleiche zum Jahrhundertsommer 2003 gezogen. Sowohl die Temperatursumme als auch der Temperaturverlauf lag deutlich über dem langjährigen Mittel, die Niederschlagssummen lagen deutlich unter dem langjährigen Mittel. Im Landkreis Tuttlingen fiel auf den Höhenlagen des Heubergs durch Gewitter etwas mehr Regen als in den übrigen Gebieten.
Bereits im Januar fegten etliche Winterstürme über Europa hinweg, sie führten regional zu erheblichem Schadholzanfall im südlichen Baden-Württemberg und der angrenzenden Schweiz sowie in Mitteldeutschland.

Schadmechanismen

Mittlerweile wirken auf den Wald mehrere Schadursachen auf den Wald ein:

Trockenheit /Dürre

Anhaltende Trockenheit schädigt praktisch alle Pflanzen, die in Mitteleuropa heimisch sind. Für die Fotosynthese benötigt jede Pflanze eine große Menge Wasser. Steht dieses Wasser nicht zur Verfügung wird der Stoffumsatz der Pflanze zuerst reduziert, später ganz eingestellt, die Pflanze verdorrt im Extremfall. Bei Bäumen führt anhaltender Wassermangel zu einem kleinen Jahrring aber auch zur Reduzierung der Schutzmechanismen gegen biotische Schädlinge wie rindenbrütende Borkenkäfer (z.B. durch geringeren Saft- und Harzfluss) oder Pilze. Ein nahezu ausgetrockneter Waldboden schädigt die Feinwurzeln, über die ein Baum das Wasser aufnimmt. Ohne Feinwurzeln hat der Baum im nächsten Frühjahr aber erheblich Probleme die Wasserversorgung gerade in der Austriebszeit sicher zu stellen, ein deutlich geschwächter Start in die Vegetationsperiode ist die Folge.

Buchdrucker

Der „Buchdrucker“ (Ips typographus) ist ein rindenbrütender Borkenkäfer der vorwiegend die Fichte befällt. Er schädigt den Baum durch sein Brutsystem, das er unter der Borke in die Rinde (Kambium) des Baumes legt und von dem sich die vielen Larven des Käfers ernähren. Viele Brutbilder über den Stamm der befallenen Fichten verteilt unterbinden den Saftfluss (Assimilat), die Borke fällt ab und der Baum stirbt ab. Förster zählen den Buchdrucker zu den Primärschädlingen, er ist in der Lage sogar gesunde Fichten zum Absterben zu bringen. Gesteuert wird der Käferbefall der Fichten durch Duftbotenstoffe (Pheromone). Bei optimalen trocken-heißen Bedingungen kann die Art in einem Jahr drei Generationen ausbilden, dies führt zu einer Vertausendfachung einer Generation. Seinen Namen verdankt er dem Aussehen seines Brutbildes, das einer aufgeschlagenen Buchseite ähnelt, in der Mitte ist der senkrecht verlaufende Muttergänge, davon abzweigend sind die waagrechten Larvengänge.

Kupferstecher

Der „Kupferstecher“ (Pityogenes chalcographus) ist ebenfalls ein rindenbrütender Borkenkäfer, auch er befällt vorwiegend Fichten. Er tritt eher als Sekundärschädling auf und befällt durch Hitze und Trockenheit vorgeschädigte, geschwächte Bäume. Trifft er solche für ihn optimalen Verhältnisse an, ist er in der Lage diese Bestände mit einer großen Dynamik zum Absterben zu bringen. Auch bei ihm führt das Aussehen der Brutbilder zu seinem Populärname: Die bis zu 6 kurzen Muttergänge sind sternförmig angelegt, die vielen Larvengänge erzeugen den Eindruck eines Kupferstichs. Unter optimalen Bedingungen bildet die Art nur zwei Generationen aus, Geschwisterbruten führen aber zu einer ähnlich explosionsartigen Vermehrung wie beim Buchdrucker. Der Käfer ist deutlich kleiner als der Buchdrucker, er bohrt sich eher im feinborkigen Kronenbereich und im Astreisig ein, die eigentliche Schädigung ist dieselbe wie beim Buchdrucker: Der Saftfluss wird durch die Brutbilder unterbrochen. Die Kronen der Bäume röten, die Nadeln fallen ab, der Baum stirbt.

Klein- und Kleinstmengen

Wenn Käferholz aufgerarbeitet werden muss, sollen sich Privatwaldbesitzer unbedingt mit dem zuständigen Revierleiter in Verbindung setzten, um die Sortierung und die Sortimentsbildung zu besprechen - Außerdem müssen die Mengen vorkonzentriert werden. In dieser schwierigen Marktsituation können Klein- und Kleinstmengen nicht mehr bearbeitet werden, die Käufer lehnen diese Lose ab. Klein- und Kleinstmengen müssen deshalb dringend zu anderen Hölzer gepoltert werden.

Generell gilt: Wer Kleinmengen unter 10 fm erzeugt muß Polterung und Sortenbildung zwingend mit dem zuständigen Revierleiter absprechen!
  • Unabgesprochen gepolterte Mengen,
  • Falsch sortierte Lose und
  • Kleinlose in Alleinlage
laufen Gefahr nicht vermarktbar zu sein!